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Die großen technischen Innovationen wie Beamen oder Warp-Antrieb lassen weiter auf sich warten. Was bleibt Fiktion – und was wird Wirklichkeit? Wir wagen einen Blick in die Sterne.

Nicht nur eingefleischte Trekkies wissen, was es bedeutet, wenn Scotty auf den Plan gerufen wird. Der wahrscheinlich berühmteste Nerd der Geschichte, der Chefingenieur des Raumschiffs Enterprise, ist immer dann zur Stelle, wenn es am Raumgleiter etwas zu reparieren gibt – entweder hat der Warp-Antrieb seinen Dienst versagt oder Captain Kirk und sein erster Offizier Spock müssen von einem Planeten gebeamt werden, auf dem es elektromagnetische Störungen gibt, die den Vorgang zu einem Spiel auf Leben und Tod machen. In Wahrheit hatten die Schauspieler wahrscheinlich keine Idee davon, in welche Gefahr sie sich begeben hätten, wäre diese Technik tatsächlich verwendet worden. 

Nicht nur eingefleischte Trekkies wissen, was es bedeutet, wenn Scotty auf den Plan gerufen wird. ”

Warpen im Schneckentempo

Es war niemand Geringerer als Albert Einstein, der in seiner Relativitätstheorie die These aufstellte, dass sich nichts, das eine Masse besitzt, so schnell bewegen kann wie das Licht. Gene Roddenberry war hier anderer Meinung, als er 1966 seine Serie Star Trek“ auf Sendung schickte. Doch wer hatte recht? Und genau bei dieser Frage wird es kompliziert. Der Physiker Miguel Alcubierre Moya will die Frage zumindest in der Theo­rie gelöst haben: Gäbe es eine rein ­lokale Ausdehnung der Raumzeit hinter dem Raumschiff und eine entgegengesetzte Kontraktion davor, wäre eine Bewegung mit Lichtgeschwindigkeit möglich. Erster Haken: Wissenschaftskollegen, die ihm nicht wohlgesonnen sind, gehen davon aus, dass eine solche Blase mehr Energie benötigen würde, als im Weltraum zur Verfügung steht. 

Zweites Handicap: Selbst wenn eine solche Blase simuliert werden könnte, ist fraglich, ob ein Mensch den Höllenritt überleben würde. Drittes Dilemma: ­Sogar die Lichtgeschwindigkeit ist zu langsam für das Universum. Der ehemalige Techniker der Nasa, James O’Donoghue, hat sich die Zeit für ein verblüffendes Rechenbeispiel genommen: Wenn Warp‑1 als Lichtgeschwindigkeit definiert wird, ist Warp‑9,9 das 2.140-fache der Lichtgeschwindigkeit. Würde man mit dieser ­Geschwindigkeit die Milchstraße durchqueren wollen, die sich über 150.000 bis 200.000 Lichtjahre erstreckt, so bräuchte der Pilot 96 Jahre für diese Mission. Sollte die Lebenserwartung nicht exponentiell steigen, ist das ein zu großes Opfer, das man für diese Reise erbringen müsste.

Bombenidee Beamen

Auch die Idee des Beamens, die ursprünglich nur geboren wurde, um in der Serie das Geld für weitere Modelle von Transportschiffen zu sparen, ist nicht weniger gefährlich. Die Person wird dabei von einem Strahl erfasst, aufgelöst und an einem Zielort rematerialisiert. Die Technik funktioniert über Tausende von Kilometern – zumindest unter Scottys geschickter Fingerführung in Star Trek. In Wahrheit müsste der Organismus an einem Ort zerstört werden, um an einem anderen Ort wiederhergestellt zu werden. Die Frage, die sich daraus ergibt: Ist diese rekonstruierte Person dann überhaupt noch dieselbe Person? 

Die Idee des Beamens wurde ursprünglich nur geboren, um in der Star Trek-Serie das Geld für weitere Modelle von Transportschiffen zu sparen.”

Der österreichische Forscher Anton Zeilinger, der auch gern Mr. Beam“ genannt wird, hat es als Erster geschafft, erfolgreich eine Quantenteleportation durchzuführen. Dass dies aber eine ganz andere Kategorie ist als ein erwachsener Mensch, belegt der Physiker Lawrence Krauss, der sich in dem Buch The Physics of Star Trek“ sehr intensiv mit der Technik auseinandergesetzt hat. Er errechnete, dass sich beim Beamen eines Menschen mit rund 50 Kilogramm Gewicht, der Atom für Atom auseinandergenommen würde, ein Energieäquivalent von tausend Wasserstoffbomben ergeben würde. Es ist also besser, zum Zeitpunkt des Beamens nicht in der Nähe zu sein. Da sind die Live-Übersetzer, die von der Star-Trek-Crew auf fremden Planeten gern zur Kommunikation verwendet wurden, wohl noch die sichersten Begleiter. Und die sind –zumindest rudimentär – auch bereits im praktischen Einsatz.

Roboter in Menschengestalt

Etwas warten muss man wohl noch auf die Realisation der Androiden R2-D2 und C‑3PO. Sie sind die beiden treuen Begleiter jener Helden, die sich durch die Star-Wars-Filme kämpfen, um das Imperium zu vernichten. R2-D2 beispielsweise ist Mechaniker ebenso wie Navigator, kann fliegen und Hologramme wiedergeben. C‑3PO, der mehr nach dem menschlichen Vorbild geschaffen wurde, besitzt bereits menschliche Züge und Charaktereigenschaften. So ist er einmal ängstlich, dann aber wieder affektiert. Auch hier hinkt die Technik aktuell noch hinterher – wenngleich die Chancen auf eine Realisierung gegeben sind. Sophia, ein humanoider Roboter der Firma Hanson Robotics, gilt aktuell als der fortschrittlichste Cyborg der Welt. Sie kann Gestik und Mimik imitieren und einfache Gespräche führen. Sie war bereits Talk-Gast in Shows und besitzt sogar eine Staatsbürgerschaft, nämlich jene von Saudi-Arabien. Der erste Mensch, der als Cyborg anerkannt wurde, ist der farbenblinde Neil Harbisson, der sich in seinen Kopf eine Antenne implantieren ließ, mit deren Hilfe er Farben hören kann. Nach langen Diskussionen hatte die spanische Regierung sein Passfoto mit Antenne anerkannt und ihn so offiziell zum ersten Cyborg ernannt. 

Mensch im Kältemodus

Eine waghalsige Vision hatte auch Ridley Scott in seinem Meisterwerk Alien“. Damit die Crew die weiten Reisen durch Raum und Zeit überhaupt durchstehen konnte, wurde sie eingefroren und erst kurz vor der Ankunft am Ziel wieder aufgetaut. So spielte die Dauer der Reise keine Rolle. Dieser Kälteschlaf, der auch Kryonik genannt wird, ist also einerseits eine fantastische Möglichkeit, den Weltraum zu erforschen, und andererseits der Weg zu ewiger Jugend. Positiver Nebeneffekt des Kälteschlafs ist nämlich, dass die Weltraumreisenden nicht altern. Mit einfachen Lebewesen wie Fadenwürmern ist diese Technik bereits heute möglich, für Versuche mit Menschen aber gilt es noch einige Hürden zu überwinden. So müsste beispielsweise das Blut durch Frostschutzmittel ersetzt werden, und das dürfte verständlicherweise schwierig sein. Davon abgesehen stehen wir, was die Raumfahrt angeht, in Wahrheit noch ganz am Anfang. 

Was die Raumfahrt angeht, in Wahrheit noch ganz am Anfang. Es mangelt nicht an Plänen, sondern an der Durchführung. Noch.”

Der große Trip in den Orbit bleibt Touristen bis dato verwehrt. Es mangelt nicht an Plänen und Konzepten, es mangelt an der sicheren Durchführung. Neben der NASA arbeiten auch private Firmen an einer Umsetzung. Unter ihnen beispielsweise Amazon-Chef Jeff Bezos mit seinem Raumfahrtkonzept Blue Origin. Oder auch Elon Musk, der mit SpaceX in die Erdumlaufbahn starten möchte. Das wahrscheinlich am weitesten fortgeschrittene Konzept stammt von Richard Branson, dem Eigentümer von Virgin Galactic. Mehr als 600 Menschen haben den 250.000 US Dollar teuren Urlaub bereits gebucht, darunter Prominente wie Justin Bieber und Leonardo DiCaprio. 90 Minuten wird der suborbitale Flug dauern – mit maßgeschneiderten Sitzen, die sich automatisch so ausrichten, dass die besonderen Fluggäste immer eine überirdische Aussicht haben.

Tagträumen ohne Reisepass

Vielleicht wird es aber in ferner Zukunft auch ganz anders kommen. Vielleicht werden wir Teil der ultimativen Science-Fiction-Vision. Vielleicht werden wir Teil ­einer virtuellen Realität, die uns letztlich alle Wege öffnen kann, die wir uns wünschen. Ein Flug zum Mars? Kein Problem! Planetenhüpfen in den Sommerferien? ­Alles nur eine Frage der Technik! Der Klassiker Matrix“ hat es uns vorgemacht: Der Hacker Neo, gespielt von Keanu Reeves, muss die schreckliche Erkenntnis machen, dass die Realität, in der wir leben, tatsächlich nur eine perfekt gemachte Computersimulation ist. Jetzt kann man natürlich einwenden, dass die heutige Technik von einer solchen Welt weiter entfernt ist als ein Schwein vom Fliegen. 

Aber wenn man die Entwicklungen im Bereich der fotorealistischen Grafik der letzten Jahre betrachtet, dann ist eine virtuelle Realität gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Die Wissenschaft arbeitet bereits daran, Hologramme auch haptisch erlebbar zu machen, sodass sich virtuelle Gegenstände bald wie reale anfühlen werden. Und noch ein Gedanke zum Abschluss: Vielleicht ist ja alles nur ­eine perfide Illusion und unser Leben findet in einer Computersimulation statt. Die entsprechende Wissenschaft dazu existiert bereits, die Simulationstheorie. Das Szenario klingt nicht erstrebenswert, doch eines darf man nicht vergessen: Warp-Antrieb, fliegende Untertassen und Beamen sind dann zum Greifen nah!