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Didier Guil­lon ist Kunst­schaf­fen­der, För­de­rer, Geschäfts­mann – und in jedem Fall unkon­ven­tio­nell. Ein­bli­cke in ein außer­ge­wöhn­li­ches Kulturleben.

Gro­ße, dunk­le Augen bli­cken suchend durch die Git­ter­stä­be des Ber­li­ner Zoos. Es scheint, als hät­te Goril­la Ivo nur dar­auf gewar­tet, dass jemand das Beson­de­re, das gewis­se Etwas, in ihm ent­deckt. An die­sem Tag vor eini­gen Jah­ren scheint der Sil­ber­rü­cken Glück zu haben. Sei­ne Erschei­nung hin­ter­lässt beim Gegen­über blei­ben­den Ein­druck. Es ist Didier Guil­lon, der mit sei­ner damals zwölf­jäh­ri­gen Toch­ter vor dem Gehe­ge steht und sich der dring­li­chen Fra­ge sei­nes Kin­des stellt: Wie kann man einen Goril­la aus dem Zoo holen? Der erfolg­rei­che Unter­neh­mer, Kunst­samm­ler und För­de­rer hat dar­auf eine ein­deu­ti­ge Ant­wort: Da die Git­ter ziem­lich stark sind und der Goril­la ziem­lich groß, muss­te ich mir etwas ande­res über­le­gen. Ich habe den Goril­la kur­zer­hand in ein Kunst­werk ver­wan­delt, so konn­te er aus dem Käfig und über­all hin­rei­sen“, erzählt der Schwei­zer lächelnd. Von da an reis­te der Goril­la in unter­schied­lichs­ten Dar­stel­lun­gen um die hal­be Welt – war in Aus­stel­lun­gen von Mün­chen bis Tokio zu sehen.

Ich habe den Goril­la in ein Kunst­werk ver­wan­delt. Seit­dem beglei­tet er mich über­all hin.” Didier Guillon

Didier Guil­lon hat­te sein Lieb­lings­mo­tiv gefun­den, das sogar als Tat­too auf sei­nem lin­ken Ober­arm sein stän­di­ger Beglei­ter wur­de. Pas­send für einen erfolg­rei­chen Unter­neh­mer, der sich selbst und sein künst­le­ri­sches Schaf­fen am liebs­ten als unkon­ven­tio­nell beschreibt. Und die­se Dik­ti­on mit sei­nem Zugang zu Kunst und Kul­tur stets aufs Neue unter­mau­ert. Unzäh­li­ge Künst­ler mit mehr als 300 Wer­ken hat der stu­dier­te Anwalt mit sei­ner Fon­da­ti­on Val­mont bereits geför­dert und so einem brei­ten Publi­kum bekannt gemacht. Kunst öff­net die Tore zu Emo­tio­nen – und das ver­su­chen wir mit unse­rer Fon­da­ti­on zu för­dern. Genau wie mit unse­ren Kos­me­tik­pro­duk­ten. Es geht nicht nur dar­um, eine wirk­sa­me Haut­pfle­ge zu ent­wi­ckeln. Es geht dar­um, den Men­schen einen ein­zig­ar­ti­gen Spi­rit zu ver­mit­teln“, erklärt der Grün­der der inter­na­tio­nal erfolg­rei­chen Kos­me­tik­mar­ke Val­mont. Um gleich wie­der auf sein Lieb­lings­the­ma, die Kunst, zu kommen.

Denn die Lie­be dazu wur­de ihm im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes in die Wie­ge gelegt. Sein Urgroß­va­ter war Charles Sedel­mey­er, einer der ein­fluss­reichs­ten Kunst­samm­ler Ende des 19., Anfang des 20. Jahr­hun­derts. Er leb­te in Wien, über­sie­del­te nach Paris und setz­te dort sei­ne bemer­kens­wer­te Kar­rie­re fort. Mit einer der ein­fluss­reichs­ten Gale­rien sei­ner Zeit mach­te er sich nicht nur einen gro­ßen Namen, son­dern auch ein Ver­mö­gen. Als sei­ne Frau, mei­ne Urgroß­mutter, starb, ver­kauf­te er die gesam­te Samm­lung. Was ich per­sön­lich als wun­der­schö­nes Zei­chen sehe. Ich habe immer noch den Kata­log sei­ner letz­ten Auk­ti­on, und es ist beein­dru­ckend, wel­che Wer­ke hier ver­kauft wur­den. Sogar ein Raf­fa­el war dabei.“ Die­ses Gespür für Kunst wur­de Didier Guil­lon von Kind­heit an ver­mit­telt. Mit Freu­de erin­nert er sich an den ers­ten Muse­ums­be­such mit sei­nem Vater – wäh­rend ande­re Fami­li­en den Lou­vre besuch­ten, streif­te der damals zwölf­jäh­ri­ge Didier an der Sei­te sei­nes Vaters durch das Muse­um of Modern Art in Paris. Gezeigt wur­de eine Retro­spek­ti­ve von Fran­cis Bacon, nicht unbe­dingt der klas­si­sche Ein­stieg für jun­ge Kunstliebhaber. 

Kunst stellt wich­ti­ge Fra­gen, sucht nach Lösun­gen und scheut kei­ne gro­ßen Themen.” Didier Guillon

Für mich waren die­se Bil­der anfangs ein Schock. Aber sie haben sofort blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen. Und ab die­sem Moment teil­te ich mit mei­nem Vater die Lie­be zu Modern und Con­tem­pora­ry Art.“ Möbel, Bil­der, Skulp­tu­ren – all das war in Didier Guil­lons Zuhau­se im Über­fluss vor­han­den. Gera­de ange­sichts die­ser über­bor­den­den Fül­le weiß er bis heu­te die Abs­trak­ti­on, die Reduk­ti­on auf das Wesent­li­che, zu schät­zen. Prin­zi­pi­ell haben es ihm die US-Mini­ma­lis­ten ange­tan. Dan Fla­vin, mit sei­nen pro­mi­nen­ten Licht­in­stal­la­tio­nen ein ein­drucks­vol­ler Ver­tre­ter des Mini­ma­lis­mus, zählt etwa zu sei­nen Lieb­lings­künst­lern. Eben­so wie sei­ne Frau Sophie, die eine fan­tas­ti­sche Desi­gne­rin in Sachen Schön­heit und Düf­te ist“, wie er char­mant erwähnt. Stets geht es für den selbst ernann­ten Non­kon­for­mis­ten“ bei guter Kunst dar­um, dass sie aus der Emo­ti­on her­aus geschaf­fen wird, mit Herz und See­le – ohne den unbe­ding­ten Anspruch auf Perfektion.

Wer Kunst betrach­tet, wird die Inten­ti­on des Künst­lers ver­ste­hen. Solan­ge sein Schaf­fen echt und nicht Fake ist. Nicht nur auf den Ver­kauf aus­ge­rich­tet. Denn dann ver­liert Kunst ihre See­le und auch ihren beson­de­ren Spi­rit“, erläu­tert Guil­lon sein Kunst­ver­ständ­nis. Damit erklärt sich auch sei­ne Lei­den­schaft für Con­tem­pora­ry Art – die­se stellt für ihn mehr Fra­gen, als sie Ant­wor­ten gibt. Bei der Betrach­tung von Con­tem­pora­ry Art muss man sich selbst sei­ne Gedan­ken machen. Das kann manch­mal durch­aus hart, aber auch lus­tig oder dra­ma­tisch sein. Es wird Neu­es geschaf­fen, und es wer­den wich­ti­ge Fra­gen gestellt – auch zu gro­ßen gesell­schafts­po­li­ti­schen The­men wie etwa dem Kli­ma­wan­del.“ Und gera­de die­se Dimen­si­on von Kunst – nach Lösun­gen zu fra­gen und gro­ße The­men nicht zu scheu­en – ist für Didier Guil­lon von gro­ßer Bedeu­tung. In die­sen tur­bu­len­ten Zei­ten mehr denn je. 

Krea­ti­vi­tät im Lockdown

Auch bei dem pas­sio­nier­ten Wel­ten­bür­ger hat der Lock­down per­sön­li­chen Ein­druck hin­ter­las­sen. Er hat die Zeit des erzwun­ge­nen Still­stands nicht nur mit dem Erpro­ben neu­er Risot­to-Rezep­te und dem Lesen von James Joy­ce’ Ulys­ses“ genutzt. Son­dern er hat die­se Pha­se auch künst­le­risch ver­ar­bei­tet. Wie könn­te es anders sein – mit sei­nem Lieb­lings­mo­tiv. The Goril­la Cathar­sis“ nennt sich die Serie von rund 20 Wer­ken, die aus Kar­ton­res­ten geschnit­ten und dann mit unter­schied­li­chen Mate­ria­li­en und Tech­ni­ken wei­ter­ver­ar­bei­tet wur­den. Ganz im Sin­ne der grie­chi­schen Kathar­sis hat die Arbeit dar­an auch bei Didier Guil­lon eine Art see­li­sche Rei­ni­gung bewirkt. Vom Ergeb­nis kann sich die Öffent­lich­keit selbst ein Bild machen. Der Goril­la geht wie­der auf Rei­sen – dies­mal in die Resi­dence Val­mont in Vene­dig, wo der Palaz­zo Bon­vici­ni neue Hei­mat der künst­le­ri­schen Arbeit der Fon­da­ti­on Val­mont wur­de. Eine beson­de­re Freu­de für den Ita­li­en-Lieb­ha­ber Guil­lon, der mit Wer­ken sei­ner Fon­da­ti­on bereits regel­mä­ßig auf der Bien­na­le in Vene­dig ver­tre­ten war. Neben Ver­bier, Hydra und neu­er­dings auch Bar­ce­lo­na ist Vene­dig einer der vier Stand­or­te, an denen außer­ge­wöhn­li­che Kunst geschaf­fen und prä­sen­tiert wird. Das ist das Ver­ständ­nis der Fon­da­ti­on Val­mont. Wir hei­ßen eine Grup­pe von Künst­lern will­kom­men, arbei­ten zusam­men und prä­sen­tie­ren dann die Kunst einem gro­ßen Publi­kum“, schwärmt der Prä­si­dent über das Kon­zept sei­ner Kunststiftung. 

Sozia­le Ver­ant­wor­tung wird dabei eben­so groß geschrie­ben wie Krea­ti­vi­tät. Neben klas­si­scher För­de­rung setzt die Fon­da­ti­on Val­mont immer wie­der auf außer­ge­wöhn­li­che Aktio­nen. So wur­den etwa Kin­der aus Brook­lyn, die unter schwie­ri­gen Bedin­gun­gen auf­wach­sen, auf­ge­for­dert, die Tea Par­ty von Ali­ce im Wun­der­land“ künst­le­risch dar­zu­stel­len. Die Grup­pe der Gewin­ner durf­te ihr Werk per­sön­lich in Vene­dig aus­stel­len. Eine ein­ma­li­ge Mög­lich­keit, die Inspi­ra­ti­on schafft. Und genau dar­um geht es Didier Guil­lon: Ich brau­che einen unkon­ven­tio­nel­len Impuls – das kann ein Graf­fi­ti in Chi­na­town in New York sein oder ein Besuch im Zoo. Ich brau­che das Gefühl, invol­viert zu sein.“ 

Ich bin kein Künst­ler — denn ich ver­kau­fe mei­ne Wer­ke nicht.” Didier Guillon

Die­ses Gefühl holt er sich am liebs­ten in sei­ner Arbeit mit Gleich­ge­sinn­ten. Denn was berei­tet jeman­dem, der stän­dig von Kunst umge­ben ist, mehr Freu­de – sie zu betrach­ten oder selbst zu schaf­fen? Dar­auf hat Didier Guil­lon eine kla­re Ant­wort: Ich bin kein Künst­ler – denn Künst­ler ver­kau­fen ihre Kunst. Das tue ich nicht. Aber ich lie­be es, Kunst zu schaf­fen. Am liebs­ten gemein­sam mit ande­ren Künst­lern. Die­ser Aus­tausch ist unge­heu­er inspi­rie­rend.“ Den pas­sen­den Raum dafür bie­ten die diver­sen Stand­or­te der Fon­da­ti­on Val­mont. Für ihn – wie jedes Muse­um auf der Welt – die per­fek­ten Orte der Har­mo­nie. Denn Kunst ver­bin­det, unab­hän­gig davon wie man ein ein­zel­nes Kunst­werk betrach­tet, ver­steht oder beur­teilt. Und die­se Har­mo­nie soll­te sei­ner Mei­nung nach Vor­bild für die Welt sein. Aktu­ell mehr denn je.

Fon­da­ti­on Valmont

Der Schwei­zer Didier Guil­lon ist Sohn einer Kunst­samm­ler­fa­mi­lie. Er stu­dier­te Jus und Wirt­schaft und grün­de­te gemein­sam mit sei­ner Frau Sophie die inter­na­tio­nal erfolg­rei­che Kos­me­tik­mar­ke Val­mont. Sei­ne Lei­den­schaft für Kunst lebt der Vater von drei Kin­dern sowohl aktiv als Kunst­schaf­fen­der als auch als Prä­si­dent der Fon­da­ti­on Val­mont. Die­se hat es sich zur Auf­ga­be gemacht, Künst­ler welt­weit zu för­dern und einem brei­ten Publi­kum bekannt zu machen. Mit Stand­or­ten in Vene­dig, Ver­bier, Hydra und Bar­ce­lo­na wur­de ein inter­na­tio­nal aner­kann­tes Netz­werk geschaf­fen, das mit wech­seln­den Aus­stel­lun­gen in der gan­zen Welt kom­plet­tiert wird. 

Aktu­el­le Aus­stel­lung:
Tint­s­wa­lo – Afri­can Colors. Die aus­drucks­star­ken Far­ben tra­di­tio­nel­ler afri­ka­ni­scher Gewän­der bil­den die Inspi­ra­ti­on für die­se Aus­stel­lung. Gezeigt wird auch der viel­zi­tier­te Goril­la von Didier Guillon. 

6. Okto­ber 2020 bis 6. Febru­ar 2021, La Mai­son Val­mont, Maxi­mi­li­an­stra­ße 22, 80539 Mün­chen
8. Okto­ber 2020 bis 20. März 2021, La Mai­son Val­mont, Fasa­nen­stra­ße 72, 10719 Berlin.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu aktu­el­len Ter­mi­nen fin­den sich unter fon​da​ti​on​val​mont​.com