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Prof. Dr. Karl­heinz Ruck­rie­gel erforscht das Glück. Und vor allem sei­ne Wege dort­hin. Ein Talk, wel­cher auf jeden Fall für Glücks­mo­men­te sorgt.

Wie man sein per­sön­li­ches Glück fin­det, wel­che Fak­to­ren dabei eine wesent­li­che Rol­le spie­len und wie­so Geld allein wirk­lich nicht glück­lich macht, ver­rät der renom­mier­te Glücks­for­scher Prof. Dr. Karl­heinz Ruck­rie­gel im Interview.

Prof. Ruck­rie­gel, wer beschäf­tigt sich mit der Glücks­for­schung?
Die Glücks­for­schung (Hap­pi­ness Rese­arch) ist ein inter­dis­zi­pli­nä­res Fach­ge­biet, in dem ins­be­son­de­re Psy­cho­lo­gen („Posi­ti­ve Psy­cho­lo­gie“), Sozio­lo­gen, Öko­no­men, Neu­ro­bio­lo­gen und Medi­zi­ner zusam­men­ar­bei­ten. Sie beschäf­tigt sich mit Glück im Sin­ne des Glück­lichseins, also mit dem Sub­jek­ti­ven Wohl­be­fin­den, nicht aber dem Glück­ha­ben, also dem Zufalls­glück (z. B. Lot­to­ge­winn). Die Glücks­for­schung zeigt, dass das Sub­jek­ti­ve Wohl­be­fin­den der zen­tra­le, zusam­men­ge­fass­te Indi­ka­tor für den Grad der Lebens­qua­li­tät und somit für eine Poli­tik, die sich an einer Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät ori­en­tiert, ist. Die Glücks­for­schung ist daher auch die wis­sen­schaft­li­che Grund­la­ge für die UN Sus­tainab­le Deve­lo­p­ment Goals (die sog. SDGs“, die 2015 von der UN beschlos­sen wur­den ), für den jähr­lich erschei­nen­den (UN) World Hap­pi­ness Report und für den OECD Bet­ter Life Index, der als Grund­la­ge für (wirt­schafts-) poli­ti­schen Emp­feh­lun­gen der OECD dient. Die Erkennt­nis­se der Posi­ti­ven Psy­cho­lo­gie, einem Teil­ge­biet der Glücks­for­schung, haben mitt­ler­wei­le auch Ein­gang in Maß­nah­men zur Gesund­heits­vor­sor­ge und in die Manage­ment­leh­re (Stich­wort Posi­ti­ve Lea­ders­hip“) gefunden.

Die Glücks­for­schung zeigt, dass das Sub­jek­ti­ve Wohl­be­fin­den der zen­tra­le, zusam­men­ge­fass­te Indi­ka­tor für den Grad der Lebens­qua­li­tät ist.“ Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel

Was ver­steht man unter Sub­jek­ti­vem Wohl­be­fin­den?
Sub­jek­ti­ves Wohl­be­fin­den hat zwei Aus­prä­gun­gen, und zwar das emo­tio­na­le“ und das kogni­ti­ve“ Wohl­be­fin­den. Mit emo­tio­na­lem Wohl­be­fin­den ist die Gefühls­la­ge im Moment gemeint, wobei es im Wesent­li­chen auf das Ver­hält­nis zwi­schen posi­ti­ven und nega­ti­ven Gefüh­len im Tages­durch­schnitt ankommt (Anhalts­punkt: das Ver­hält­nis von posi­tiv zu nega­tiv soll­te min­des­tens 3:1 betra­gen). Hier geht es um das Wohl­be­fin­den, das Men­schen erle­ben, wäh­rend sie ihr Leben leben. Beim kogni­ti­ven Wohl­be­fin­den geht es hin­ge­gen um den Grad der Zufrie­den­heit“ mit dem Leben (Bewer­tung). Es fin­det eine Abwä­gung zwi­schen dem, was man will (den Zie­len, Erwar­tun­gen und Wün­schen) und dem, was man hat, statt. Es geht also um das Urteil, das Men­schen fäl­len, wenn sie ihr Leben bewer­ten, wobei es hier ent­schei­dend auf die Zie­le ankommt, die Men­schen für sich selbst set­zen. Zie­le soll­ten rea­lis­tisch und sinn­haft sein. Emo­tio­na­les und kogni­ti­ves Wohl­be­fin­den sind glei­cher­ma­ßen wich­tig, denn bei­de beein­flus­sen sich gegenseitig.

Glück ist eine Neben­wir­kung“ eines gelin­gen­den Lebens.“ Eckart von Hirschhausen

Eine glück­li­che Per­son erfreut sich häu­fig (leicht) posi­ti­ver Gefüh­le und erfährt sel­te­ner nega­ti­ve Gefüh­le im Hier und Jetzt und sieht einen Sinn in ihrem Leben, ver­folgt also sinn­vol­le (Lebens-) Zie­le. Dau­er­haf­tes Glück erfor­dert, dass wir den Weg genie­ßen, der uns zu einem loh­nens­wer­ten Ziel führt. Es geht dar­um, dass wir uns wohl­füh­len mit / in unse­rem Leben. Und die­ses Gefühl ist welt­weit für alle gleich.

Wann sind wir glück­lich?
Wir sind glück­lich, wenn wir uns wohl­füh­len mit unse­rem Leben, wenn wir das Gefühl haben, dass das Leben, das wir füh­ren gut und erfül­lend ist. Wohl­be­fin­den ist ein Zei­chen dafür, dass unser Leben gut läuft. Sub­jek­ti­ves Wohl­be­fin­den ist der zen­tra­le Indi­ka­tor für ein gutes Leben, für eine hohe Lebens­qua­li­tät. Wenn wir dau­er­haft unglück­lich sind, d.h. wenn wir eine schlech­te Gefühls­bi­lanz haben und nicht so rich­tig zufrie­den sind in/​mit unse­rem Leben, so soll­ten wir uns grund­sätz­lich Fra­gen, was wir ändern sollten/​müssen. Man soll­te sich hier auch den Rat ande­rer einholen.

Was bringt uns Glück­lich­sein?
Wer etwas dafür tut, glück­li­cher zu wer­den, fühlt sich nicht nur sub­jek­tiv bes­ser, son­dern hat auch mehr Ener­gie, ist krea­ti­ver, stärkt sein Immun­sys­tem, fes­tigt sei­ne Bezie­hun­gen, arbei­tet pro­duk­ti­ver und erhöht sei­ne Lebens­er­war­tung. Die medi­zi­ni­sche For­schung zeigt, dass glück­li­che Men­schen weni­ger krank bzw. schnel­ler wie­der gesund wer­den, denn ihr Immun­sys­tem ist nicht so belas­tet. Die Lebens­er­war­tung von glück­li­chen Men­schen steigt daher deut­lich. Unter Mei­ne Gesund­heits­kom­pe­tenz stär­ken“ bie­tet des­halb auch die AOK Bay­ern Kur­se und Semi­na­re auf der Grund­la­ge der Posi­ti­ven Psy­cho­lo­gie im Rah­men der Gesund­heits­vor­sor­ge an, in denen es um Wege/​Tipps für ein glückliches/​eres Leben geht. 

Unser wich­tigs­ter Glücks­fak­tor sind gelin­gen­de, lie­be­vol­le sozia­le Beziehungen.“ Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel

Was macht uns glück­lich, was sind unse­re Glücks­fak­to­ren?
Die Glücks­for­schung hat eine Rei­he von Glücks­fak­to­ren her­aus­ge­ar­bei­tet. Unser wich­tigs­ter Glücks­fak­tor sind gelin­gen­de, lie­be­vol­le sozia­le Bezie­hun­gen (Part­ner­schaft, Kin­der, Fami­lie, Freun­de, Nach­bar­schaft, Arbeits­kol­le­gen, …). Wir Men­schen sind das sozi­als­te Wesen auf die­ser Erde. Gemein­schaft (Zuwen­dung und Für­sor­ge) ist ein emo­tio­na­les Grund­be­dürf­nis für uns. Ein wei­te­rer Glück­fak­tor ist unse­re psy­chi­sche und phy­si­sche Gesund­heit. Es lohnt sich also, gezielt etwas für die Gesund­heit zu tun (Kon­sum- und Ernäh­rungs­ver­hal­ten, Bewe­gung). Eine bedeu­ten­de Rol­le beim Glück­lich­sein spie­len auch Enga­ge­ment und eine erfül­len­de Tätig­keit. Wir haben ein Grund­be­dürf­nis nach sinn­haf­tem Tun und Wertschätzung/​Aner­ken­nung. Unse­rem Berufs­le­ben kommt hier eine wich­ti­ge Rol­le zu. Wir ver­brin­gen einen Groß­teil unse­rer Zeit in der Arbeit. Es kommt dar­auf an, dass wir einen Sinn in dem was wir tun sehen. Damit ist gemeint, dass unse­re Arbeit auch für ande­re, für unse­re Gesell­schaft nütz­lich ist, einen greif­ba­ren Nut­zen hat. Es kommt aber auch das Betriebs­kli­ma, auf unser Ver­hält­nis zu Kol­le­gIn­nen und Vor­ge­setz­ten an. Wir wis­sen etwa aus den Ergeb­nis­sen des Gal­lup Enga­ge­ment Index, dass es hier ins­be­son­de­re das Ver­hal­ten des unmit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten wich­tig ist, es geht um Posi­ti­ve Leadership.

Wir haben ein Grund­be­dürf­nis nach sinn­haf­tem Tun und Wert­schät­zung sowie Aner­ken­nung. Das ist ein wesent­li­cher Glücksfaktor.“ Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel

Wie wich­tig sind Frei­heit und Geld für unser Glück?
Auch brau­chen wir ein gewis­ses Maß an per­sön­li­cher Frei­heit. Wir haben ein Grund­be­dürf­nis nach einem Min­dest­maß an Kon­trol­le über unse­re Umwelt. Wir brau­chen das Gefühl, auf unser Leben Ein­fluss zu haben, d.h. selbst­wirk­sam zu sein. Wich­tig sind auch die Ein­stel­lun­gen, die wir haben: Sind wir opti­mis­tisch, sind wir dank­bar, …? Schließ­lich brau­chen wir genug Ein­kom­men, um unse­re mate­ri­el­len Grund­be­dürf­nis­se zu decken und eine sozia­le Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen Leben jetzt und im Alter zu ermög­li­chen (finan­zi­el­le Sicher­heit). Wir wis­sen aus der Glücks­for­schung aber auch, dass — nach­dem die mate­ri­el­len Grund­be­dürf­nis­se abge­deckt sind und eine sozia­le Teil­ha­be mög­lich ist — mehr Geld/​Einkommen (Wohl­stand) das Sub­jek­ti­ve Wohl­be­fin­den kaum mehr erhöht. Sind die mate­ri­el­len Grund­be­dürf­nis­se gedeckt und ist eine sozia­le Teil­ha­be mög­lich, so ist eine Fokus­sie­rung auf das Mate­ri­el­le nicht mehr zweck­dien­lich für eine glück­li­ches Leben, da Gewöh­nung und Ver­gleich dem ent­ge­gen­wir­ken. Man soll­te sich die­se bei­den Effek­te stets bewusst machen und sich vor die­sem Hin­ter­grund genau über­le­gen, wofür man sei­ne Zeit verwendet.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Zur Per­son

Prof. Dr. Karl­heinz Ruck­rie­gel ist Pro­fes­sor für Volks­wirt­schafts­leh­re an der Fakul­tät Betriebs­wirt­schaft der TH Nürn­berg. Er berät zahl­rei­che Unter­neh­men und Orga­ni­sa­tio­nen sowie die Poli­tik dar­in, wie sie die Erkennt­nis­se der inter­dis­zi­pli­nä­ren Glücks­for­schung umset­zen kön­nen. Außer­dem hält er Vor­trä­ge und gibt Work­shops zum The­ma Glücks­for­schung.
www​.ruck​rie​gel​.org